Wenn es einen Meistertitel in unglaublichen Spielen gäbe, an diesem Spieltag hätten wir ihn gewonnen. Es war der zweite Spieltag in der Bezirksliga Süd. Am ersten Spieltag hatten wir ein Spiel gewonnen, eines verloren. Nun mussten wir als Aufsteiger aus der Relegation zum Dritten der letzten Saison und zum Absteiger aus der Landesliga. Die Zeichen waren also von vorneherein auf „Mühsam“ und „Kampf“ gesetzt. Und so sollte es auch kommen. Im ersten Spiel des Tages besiegte Merzhausen Ballrechten-Dottingen relativ sicher mit 3:1 Sätzen. Im zweiten Spiel war der TuS Badenweiler gegen die Heimmannschaft aus Merzhausen dran. Rainer war wieder dabei, aber es fehlten mit Georg und Heinz zwei sehr solide Spieler. Man merkte sofort, wir hatten Spass am Spiel. Nicht den Hauch einer Chance ließen wir verdutzt drein schauenden Merzhausenern und lagen schnell mit 7:2 in Front.
Peter schlug dem Gegner die Bälle nur so um die Ohren. Sicher in der Abwehr. Ohne Wanken im Block, Keiner kam vorbei. Doch nun begann Merzhausen sich zu erinnern, dass man auch spielen kann, und es entwickelte sich ein reger Schlagabtausch mit sehenswerten Bällen, hüben wie drüben. Über ein 14:16 lag plötzlich Merzhausen mit 19:16 in Front. Aber wir steckten nicht auf und drehten den Satz. Über ein knappes 25:25 stand es am Ende verdient 27:25 für uns. Der zweite Satz war von Anfang an umkämpft. Merzhausen wollte den verlorenen ersten Satz wett machen und legte sich vor einem kleinen Publikum mächtig ins Zeug. Immer noch waren die Blocks aber sicher und die Angriffe Badenweilers saßen. Über ein 5:5 legten wir uns ins Zeug und als es schließlich wieder 18:16 für uns stand, spielten wir richtig Volleyball. Das war unser Satz. Merzhausen versuchte zu kontern, wir hielten dagegen und setzten uns schließlich mit 25:19 in diesem Satz durch. Wahnsinn, 2:0 Satzführung. Nichts sollte mehr anbrennen. Eingeschworen auf einen letzten dritten Satz gingen wir dann ans Werk, und liefen unverständlich Merzhausen ins Messer. Plötzlich wollte nichts mehr gehen. Peter schlug nicht mehr ins Feld, sondern an die Wand, Der Block fiel statt zum Gegner zu uns. Urplötzlich lagen wir mit 2:7 hinten. Über 8:13 und 11:16 rannten wir ständig hinterher. Auszeit, keine Wirkung. Noch eine Auszeit und wir erwachten etwas. Kontern mussten wir und kämpften uns auf 18:19 heran. Aber der ersehnte Ausgleich wollte nicht fallen. Merzhausen machte den Punkt und witterte Morgenluft. Nur noch einen Punkt ließen sie zu und nahmen uns den sicher geglaubten Sieg, vorerst, aus den Händen mit 25:19. Der vierte Satz war hart umkämpft. Bis zum 8:8 stand es sehr offen. Gute Schiedsrichterleistungen vereinfachten das Geschehen. Doch nun kam wieder eine Aufschlagserie der Merzhausener. Besonders Harald ließ unerklärlich viele Bälle wegsausen. Es wurde nicht gewechselt. Auszeiten halfen nicht und als es schließlich 19:12 stand, hatten wir nur noch betretene Mienen. Keiner fand den richtigen Ansatz. Es klappte nichts mehr, ob es die Annahmen waren oder die Zuspiele, die Angriffe, der Block, alle Mannschaftsteile versagten gleichmäßig. Nur Hühner rennen wilder umher, dachte so mancher Beobachter. Und Merzhausen? Wie Todtnauer Gummi mit wesentlich mehr Spielwitz. Wir kamen nochmal gegen Ende des Satzes auf 20:24 heran, aber ein halbes Ass beendete den Satz zum 2:2 Satzausgleich. Nun musste der Tiebreak (Krawattenbruch) entscheiden. Einem 0:2 konnten wir ein 3:3 entgegenhalten. Aber dann war unsere Moral wohl gebrochen. Wieder funktionierte die Abwehr mehr schlecht als recht. Punkt um Punkt zog Merzhausen davon. Die wollten gewinnen und wir? Wir standen da und wussten nur zuzuschauen anstatt aktiv dagegen zu halten.5:8, 7:11 und 10:14, Stationen einer Niederlage. Das der Schlussakkord ein Missverständnis zwischen Hauptangreifer Rainer und Libero Harald sein musste, war fast logisch. Merzhausen jubelte und wir waren am Boden zerstört. 2:3 verloren. Oh Mann. Peter sagte es richtig: Abhaken, wir gewinnen das nächste Spiel. Diskutieren können wir am Montag im Training.
Das zweite Spiel gegen Ballrechten-Dottingen sollte für uns noch verrückter werden. Da ich als Berichterstatter nicht dabei war, will ich mich nur auf die Fakten konzentrieren. Der erste Satz ging mit 20:25 relativ knapp verloren. Der Gegner machte wenig Fehler und wir derer zu viele, insbesondere Block und Abwehr haperten. Auch wurde der Gegner nicht recht unter Druck gesetzt. Sprich, es gab keinen einzigen Punkt mit der Angabe. Auch gegen Merzhausen ein riesen Manko. Im zweiten Satz wurde wieder Jarek als Steller eingesetzt, weil Heinz verletzt aufhören musste. Auch dieser Satz ging mit 15:25 verloren. Nur 15 Punkte, waren wir überhaupt alle da? 10 verschlagene Angriffsbälle, 9 Fehler in der Abwehr und nur 5 Gegnerfehler, damit ist alles gesagt. Wieder kein Druck und damit kein Durchkommen. Aber Badenweiler startete durch. Fantastisch, wie man sich aus dem Schlamassel heraus kämpfte. Der dritte Satz war wohl eine echte Demonstration und ich bedaure sehr, dass ich nicht dabei war. Mit 25:7 wurde er von Badenweiler gewonnen. 3 direkte Angabepunkte, wow, 10 erzwungene Gegnerfehler, 4 Blockpunkte und 8 wuchtige Angriffsschläge, Ballrechten war erledigt. Sollte uns das Merzhausener Kunststück gelingen? Nun war man wieder wach, hatte aber auch gleichzeitig Angst, zu verlieren, den vierten Satz und das Spiel nämlich. Wieder gingen 5 Blocks verloren, auch 3 Blocksicherungsfehler waren dabei. Aber 11 erzwungene Gegnerfehler und 9 Angriffspunkte sorgten für klare Verhältnisse, wieder ein Tiebreak, da man den vierten Satz mit 25:22 knapp gewinnen konnte. Knapp zwar, aber ungefährdet, denn man lag immer mit 2-3 Punkten in Führung. Der Tiebreak ist, wie wir aus Merzhausenspielen wissen, genau, „Nervensache“. Und dieses Mal war Badenweiler nervlich gestärkt. 2:0, 8:5 und Seitenwechsel, 10:5 und 14:6 sprechen eine eindeutige Sprache. Dass dann nochmal drei Punkte an Ballrechten-Dottingen gingen und wir „nur“ mit 15:9 den letzten Satz gewannen sei egal. 3:2 nach 0:2 Satzrückstand und bereits 5 Sätzen in den Knochen ist aller Ehren wert. Badenweiler, es macht Spass, eure Spiele zu sehen. Da kommt man immer auf seine Kosten.
(Harald Gritzner)




